• 14-JUN-2016

Der Brexit ist da: Was heißt das für die deutsche Agrar- und Lebensmittelwirtschaft?

Was alle befürchtet haben, ist eingetreten: Die Briten wollen raus aus der EU. So lautet das Ergebnis des gestrigen Referendums. Lange war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen, am Ende haben die EU-Gegner mit 51,9 Prozent gewonnen. Der britische Premierminister David Cameron zog Konsequenzen und kündigte seinen Rücktritt an. Die Austrittsverhandlungen mit der EU wird nun ein neuer Regierungschef führen müssen. 

"Das ist ein großer Verlust für Europa und für den europäischen Gedanken", sagt der Geschäftsführer des Vereins DIE LEBENSMITTELWIRTSCHAFT, Stephan Becker-Sonnenschein, in Berlin. "Die ganzen Verträge entlang der Prozesskette der Lebensmittelwirtschaft müssen wahrscheinlich neu aufgesetzt werden", so Becker-Sonnenschein weiter. 

"Das ist im Sinne des Wortes ein Schlag ins Handelskontor. Gerade für den Maschinenbau insgesamt ist Großbrittanien eines der größten Zielländer auf Platz vier. Das gilt auch für die Nahrungs- und Verpackungsmaschinen. Wir haben einen Wert von 400 Mio. Euro, die wir allein nach Großbritannien exportieren," sagt Andreas Rade, Geschäftsführer des Verbandes des Maschinen- und Anlagebaus, VDMA. 

Dieses Votum wird also nicht nur für Großbritannien weitreichende Folgen haben, sondern auch für die deutsche Agrar- und Lebensmittelwirtschaft. 

Die Exporte der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft nach Großbritannien beliefen sich 2015 auf ca. 4,8 Mrd. Euro, das entspricht einem Anteil von knapp 6 Prozent am gesamtdeutschen Export. Getreide, Milchprodukte, Schweinefleisch, Softdrinks, Backwaren, aber auch Bier - das sind die wichtigsten Exportgüter aus dem Agrar- und Lebensmittelbereich von Deutschland nach Großbritannien. Insgesamt ist das Vereinigte Königreich unser drittwichtigster Handelspartner, nach den USA und Frankreich.

Der Geschäftsführer des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken, bedauert, dass mit dem Austritt der Briten aus der EU, Deutschland einen wichtigen politischen Partner verloren hat, der sich für Marktwirtschaft und Marktöffnung eingesetzt hat. Er fordert, dass die Ausstiegs-Verhandlungen mit den Briten möglichst schnell beginnen sollen, um die drohende rechtliche Unsicherheit abzuwenden. "Das ist schädlich für die Märkte", so Krüsken weiter. 

Diese Ansicht vertritt auch Dr. Volker Petersen vom Deutschen Raiffeisenverband in Berlin: "Ich glaube, problematisch ist jetzt die Unsicherheit, die um sich greift, weil man nicht mehr auf längere Sicht absehen kann, unter welchen Bedingungen sich der Handel mit dem Vereinigten Königreich vollziehen kann."

Von dieser Unsicherheit betroffen, sind auch die rund 2.500 deutsche Unternehmen mit etwa 400.000 Beschäftigten, die in Großbritannien beheimatet sind. Sie alle profitieren in der engen Zusammenarbeit von der Reisefreiheit und der Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU.​ Doch das könnte jetzt schnell vorbei sein. 

Dr. Björn Börgermann vom Milchindustrie-Verband sagt:" Die Briten lieben deutsche Milchprodukte, es wird also eine große Herausforderung werden für die deutschen Molkereien und Unternehmen. Wir gehen allerdings davon aus, dass auch die Briten ein großes Interesse daran haben, auch in Zukunft gute Handelbeziehungen miteinander zu haben." 



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