• 12-MAR-2016

Vor dem EU-Agrarrat - Ein Jahr ohne Milchquote.

Es war kein schönes Jahr für die deutschen Milchwirtschaft, das Jahr 2015. Man kann getrost von einem "Annus horribilis" sprechen. Und dass es 2016 besser wird, ist vorerst nicht abzusehen. Allerdings, so übereinstimmend der Milchindustrie-Verband und der Deutscher Bauernverband auf dem 7. Milchforum am Freitag in Berlin, könnte ab 2017 die Tendenz wieder leicht nach oben zeigen. 

Am 1. April 2015, also vor knapp einem Jahr, hat die Europäische Union die Milchquotenregelung abgeschafft. Seither erlebt der Milchpreis einen historischen Absturz. Aktuell liegt der Preis für einen Liter Milch zum Teil bei 24 Cent, und damit weit unter den Produktionskosten. Die Gründe dafür aber sind vielfältig, sagt Udo Folgart, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, und nicht nur im Wegfall der Quote zu suchen. Seit August 2014, seit dem EU-Embargo, fällt Russland als Absatzmarkt für deutsche Milch aus, und auch Chinas Wirtschaft lahmt. Die deutschen Milchbauern konnten nicht soviel nach Ostasien absetzen, wie zuvor. Dazu kommen Bürgerkriege und instabile politische Verhältnisse rund ums Mittelmeer und im Nahen Osten. Das alles trägt wesentlich dazu bei, dass traditionelle Exportmärkte für die deutsche Milch ausfallen. Gleichzeitig ist mehr Milch im Angebot, als die verbleibenden Märkte aufnehmen können. 

Viele Milchbauern kämpfen deshalb um ihre Existenz. „Ich sehe das Jahr 2015 nicht nur mit einem, sondern mit zwei tränenden Augen,“ sagt Richard Reiß, der Betriebsleiter der Milchagrargenossenschaft Heideland aus Kemberg, wo vor kurzem Europas modernstes Milchkarussell eingeweiht wurde. „Der Bauer braucht etwa 35 Cent pro Liter, aber 25 Cent bekomme ich. Jeder Cent weniger heißt bei uns im Unternehmen ca. 10 000 Euro weniger im Monat aber bei gleichbleibenden Futterkosten, gleicher Arbeit und gleichem Tierbestand.“

Vor dem Treffen des EU-Agrarrates am Montag in Brüssel scheint klar: Einen Königsweg aus der Krise gibt es nicht, so Dr. Björn Börgermann, Pressesprecher des Milchindustrie-Verbandes auf dem 7. Milchforum in Berlin. „Eine Mengenbegrenzung von staatlicher Seite halten wir ebenfalls für nicht zielführend,“ so Björn Börgermann weiter. „Wir denken, dass die Aufhebung der Milchquote dennoch der richtige Weg war, denn die Quote war nur als zeitlich beschränktes Instrumentarium gedacht, und wir wussten ja schon seit 2003, dass die Milchquote 2015 auslaufen wird.“

Vielmehr setzen Politik und der Deutsche Bauernverband vorübergehend auf EU-Hilfspakete in Milliardenhöhe. „Wir gehen davon aus, dass wir einfordern dürfen und können und wollen, dass frisches Geld in die Betriebe kommt,“ sagt Udo Folgart, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, „denn das Hauptproblem ist Liquidität. Es müssen Rechnungen bezahlt werden, und das kann man nur mit einem Hilfsprogramm umsetzen, das am Ende auch Geld beinhaltet. Das kann, muss aber nicht Geld sein, das direkt an die Betriebe durchgereicht wird, sondern das können Unterstützungsprogramme sein, wie Bürgschaften oder Darlehen, um eben diese Liquiditätssicherung herzustellen.“

Neben dieser kurzfristigen Hilfe kommen der deutschen Milchwirtschaft auch mittelfristig wieder die weiterhin ungebrochenen Megatrends zu Gute. Das heißt: Das weltweite Bevölkerungswachstum und die zunehmende Nachfrage nach Milch in vielen Schwellenländer. Udo Folgart von Deutschen Bauernverband ist sich sicher: das wird den traditionellen Milchproduktionsstandorten zu denen auch Deutschland gehört, helfen. 

Ansprechpartner Presse: 

Dr. Björn Börgermann 

Pressesprecher

Milchindustrie-Verband e.V. 

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